Kachelmann-Prozess: Beim Liebesspiel mal kurz "ein anderer Mensch"
Nach dem ursprünglichen Plan sollte der Prozess gegen Jörg Kachelmann längst zu Ende sein. Doch die Wahrheitsfindung ist kompliziert.
Haben Redakteure von „Focus“ und „Bunte“ den Prozess gegen Jörg Kachelmann beeinflusst, indem sie Zeuginnen Geld zahlten und sie zur Änderung ihrer Aussage bewegten? Gab es heimliche Treffen von Staatsanwälten, Ermittlern oder Amtspersonen mit Journalisten aus dem Hause Burda, bei denen Informationen weitergegeben worden?
Um das klären zu lassen, hatte Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn jüngst überraschend die Durchsuchung der beiden Redaktionen beantragt. Das Gericht hat eine solche Razzia jetzt abgelehnt. „Kein Verdacht auf Beeinflussung“, so die Begründung.
Kurz vor der Weihnachtspause hat das Verteidigerteam damit einen herben Rückschlag erlitten und erwog umgehend, einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht zu stellen. Dabei war der Tag zuvor noch so gut gelaufen für Kachelmann: Die Auswertung von DNA-Spuren hatte keinen Beleg dafür erbracht, dass der Schweizer seine Geliebte tatsächlich mit einem Messer bedroht und verletzt hat.
Die minimalen Spuren, die ein Beamter des Landeskriminalamts an dem Tomatenmesser fand, passten nicht zu dem von Claudia D. geschilderten Tatgeschehen. Die 37-Jährige Ex-Geliebte gibt an, Kachelmann habe sie mit dem Messer bedroht und ihr das Küchenwerkzeug die gesamte Vergewaltigung über an den Hals gedrückt.
An dem Messer fanden sich aber weder eindeutige Genspuren noch Fingerabdrücke. Egal jedoch, was passiert, Jörg Kachelmann sitzt wie üblich im grauen Anzug und mit verschlossener Miene im Saal 1 des Landgerichts. Wenn dieser 22. Prozesstag überstanden ist, wird er fast vier Wochen Erholungspause haben, erst für den 19. Januar hat die Mannheimer Kammer den nächsten Termin angesetzt.
Am häufigsten vertieft sich der Ex-Moderator demonstrativ konzentriert in die Akten und Schriftsätze seiner Verteidiger Johann Schwenn und Andrea Combé, sichtlich darum bemüht, so wenig wie möglich in die Runde zu blicken. Möglichst neutral dreinschauen, hat er sich offensichtlich vorgenommen, nur nicht überrascht, empört oder triumphierend blicken, wenn zwei Meter von ihm entfernt Zeugen über schwer zu deutende Blutspuren am angeblichen Tatmesser und DNA an einem Tampon-Rückholfaden berichten.